Segeltörn mit Kindern
Komm mit in die Karibik
In der Bora dem Winter trotzen
Neues Tor zur Adria

 

 

 

 

Segeltörn mit Kindern


  • Die lieben Kleinen haben andere Ansprüche
  • Fünf wichtige Punkte
  • Was tun bei Seekrankheit?

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Von Arthur M. Neufeldt

Kinder brauchen Auslauf! Ist es nicht viel zu eng auf dem Boot? Wie beschäftigen wir die Kleinen bloß? Ist doch gefährlich, wenn da eines runterfällt! Viele Eltern wagen es nicht, mit ihren Kindern auf Segeltörn zu gehen. Meist werden die Kleinen aber unterschätzt. Ihre Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen ist definitiv größer als diejenige Erwachsener. Das zeigte sich bei Susi (10), Lars (10) und Andreas (15). Sie gondeln mit vier Erwachsenen von Istrien nach Hvar und zurück.

Jahrelang fanden Gerhard und Christel Witte mit ihren Sprösslingen Campen am Meer als den idealen Urlaubshit. Mit dem Zelt als Basislager wagte sich Gerd auch mal an ein Motorboot. Doch der Ausflug in die Nautik geriet zum Albtraum: als die Maschine des Mietbootes plötzlich streikte, spielten die Wellen mit dem Flitzer Schiffschaukel. Bange Stunden vor der sardische Küste leben noch in der Erinnerung. Aber die Lust auf Abenteuer hinterm Horizont ließ die Wittes nicht mehr los. Ihre Sprösslinge Lars (10) und Andreas (15) mussten die Eltern nicht lange überreden. Endlich mal nicht nur am Strand liegen und dieses ewige Sandburgenbauen!

Als sie hörte, dass ich für eine knapp 14 Meter lange Segelyacht in der kroatischen Adria eine Crew suchte, schlug Christel spontan zu. Damit wären wir fünf. Das Schiff bietet jedoch bequem Platz für acht Köpfe. Es fand sich eine Mutter mit ihrem zehnjährigen Töchterchen. Das passte genau. Angela und die kleine Susi wurden von den Wittes und ihren Buben sogleich aktzeptiert. Drei Kinder an Bord, das hatte ich lange nicht mehr, seit der eigene Nachwuchs flügge ist.

Kasten:

Die lieben Kleinen haben andere Ansprüche

Die Törnplanung verlangt etwas mehr Umsicht, als für eine Erwachsenenmannschaft. Meilenfressen und Kinder, das schließt sich eigentlich aus. Kurze Strecken oder viele Badestopps. So wird ein unvergesslicher Urlaub daraus, vor allem für die Jüngsten. Wichtig dabei: Die Kinder mitmachen lassen. Landmarken peilen, Knoten anwenden, Leinen und Fender festmachen, Segel trimmen, das Boot steuern und mit dem Beiboot herumpaddeln. Das gibt den Kindern das Gefühl wirklich dabei gewesen und nicht nur mitgefahren zu sein. Malutensilien und natürlich ein paar Spiele sollten an Bord sein. Die Lieblingsspiele sowieso. Auch die Verproviantierung und der Speiseplan sollten natürlich auf Kinder zugeschnitten sein. Fruchtsäfte, Limonaden, reichlich Obst, Milch, auch Pommes und Ketchup, Schokoladen und Kekse, müssen in Kühlschrank und Stauräume.

Ein happiger Posten in der Urlaubskalkulation kann für Anfänger die Ausrüstung werden. Kindgerechte Schwimmwesten sind obligatorisch. Sie finden sich kaum auf normalen Charterschiffen. Die müssen mitgebracht werden. Wichtiger als Schwimmwesten sind eigentlich Sicherheitsgurte, sogenannte Lifebelts. Sie verhindern, dass passiert, was nie passieren darf: Daß jemand über Bord fällt. Und sie verhindern böse Stürze an Bord. Idealerweise sind Lifebelts und Schwimmweste kombiniert in einer automatischen Rettungsweste. Kommen Kinder unter zehn Jahren mit auf See, empfiehlt sich ein Relingsnetz rund um das Schiff zu spannen. Es verhindert nicht nur, dass Kinder unter dem Relingsdraht durchrollen oder rutschen, sondern hält auch Spielsachen und andere Dinge fest, die die lieben Kleinen bei Liegezeiten gern auf Deck herumfliegen lassen. Wasserdichtes Ölzeug mit Gummistiefeln gehört zur Grundausstattung. Ebenso rutschfeste Bordschuhe und ein Satz Mützen als Sonnenschutz.

Mehr als im Landleben erfordert das Dasein auf einem Schiff ein gewisses Maß an Disziplin. Das hat wenig mit Tradition zu tun, sondern dient schlicht der Sicherheit. Ein Törn kann zur Katastrophe werden, wenn sich ein Crewmitglied an Bord verletzt und ärztliche Hilfe meilenweit, das heißt viele Stunden entfernt ist. Deshalb sollten sich alle ein paar simple Verhaltensweisen angewöhnen:

1. Immer festhalten. Beim Aufenthalt auf Deck hält sich jeder und jede stets mit einer Hand am Boot fest.
2. Schuhe tragen: Wer auf Deck herumläuft muß Bootsschuhe tragen. Die Verletzungsgefahr ist zu groß. Barfußsegler sind in dieser Hinsicht reine Glücksritter. Auch Kinderfüße bleiben schnell an einem Beschlag hängen, stoßen an Wantenfüße, Schotschienen und Blöcke.
3. Nicht springen auf dem Schiff, es ist einfach zu gefährlich.
4. Abmelden. Solange das Schiff in Fahrt ist, muß der Skipper stets wissen, wo sich die Crew aufhält. Wer sich in seine Koje verzieht, sagt Bescheid.
5. Finger weg von der Technik. Moderne Charteryachten sind meist mit einem Bordcomputer ausgestattet. Autopilot, Lot, Logge, Windanzeige, Kompaß sind darin vernetzt. Planloses Knöpfedrücken kann den Arbeitscode löschen, dann geht überhaupt nichts mehr. Nicht nur Kinderhände sind in diesem Punkt schwer zähmbar.

Seekrankheit?

Meiner Erfahrung nach können Reisetabletten der Seekrankheit etwas entgegenwirken. Wenn es richtig schaukelig wird, helfen aber besser Ablenkung oder die Horizontale: Mittschiffs hinlegen und schlafen. Beste Voraussetzung für Unwohlsein auf dem Boot ist Angst. Wer aber bewusst Wind und Wellen entgegensieht, ihre Bewegungen in sich aufnimmt und sich von ihnen ganz bewusst bewegen lässt, wird kaum Probleme mit Seekrankheit haben. Mag sein, er oder sie mal eben spuckt aber dann tritt rasch Erholung ein. Der Gewöhnungseffekt spielt sicher eine große Rolle. Mancher hat den Punkt nach zwei Tagen überwunden, andere brauchen eine Woche. Rechtzeitig eine Cola und trockenes Brot kauen, kann das Spucken verhindern. Auch ein Schluck Bier hilft. Aber wirklich nur ein oder zwei Schluck. Am besten wird meiner Erfahrung nach das Problem mental angegangen: Vertrauen zum Schiff und Begeisterung für das Meer wirken Wunder. Dabei sollten die kleinen und großen Segler nicht zu warm angezogen sein.

Fortsetzung Fließtext:

Segeln mit schulpflichtigen Kindern hat leider einen groben Haken: Es muss in den Ferien sein. "17 Kilometer Stau vor dem Tauerntunnel!" Die Radiosprecherin wiederholt es im 15-Minuten-Takt. Zeit lassen, ist angesagt. Am Ende misst der Stau zwar nur vier Kilometer und in ca. 45 Minuten ist das Problem ausgesessen. Aber die Strecke zieht sich und mit mehreren Pausen - für mich ganz ungewohnt - wird es an diesem Pfingstsamstag dann doch 18 Uhr bis zur Ankunft in Vrsar. Die Vorräte für die nächsten zwei Wochen schnell auf der Paloma, einer Bavaria 41, verstaut. Nahrungsmittel für 345 Euro verschwinden in Kühlschrank unter Sitzbänken und in den Pantryschapps, den Staufächern in der Schiffsküche. Wir richten uns ein. Die Wittes bekommen das Vorschiff. Dort gibt es ein Doppelbett, einen Waschraum mit WC und eine separate Kajüte mit Stockbetten. Genau das richtige für die Buben. Mutter Angela und Tochter Susi finden backbord achtern, also hinten links eine große Doppelkabine und ich belege die Skipperkajüte an steuerbord. Wir teilen uns eine Duschkabine mit WC.

Während Christel Gulasch mit Reis kocht, untersuchen die Kinder das Schiff. Ich sehe, wie sich die drei Kleinen an Bord bewegen, führe sie an der Reling entlang um das Schiff. Ein kleines Suchspiel hilft ihnen, sich zurecht zu finden. Die Eltern lernen interessiert mit. Dann bitte ich alle auf diesen Weg. Sie sollen von Anfang an mit den Punkten vertraut werden, an denen man sich festhalten kann.

Sonntag, 19. Mai 2002 - "Bitte identifizieren Sie sich" schnarrt Lars mit Computerstimme. Ein zeitgemäßer Morgengruß. Der Himmel geizt mit Sonne, das Barometer zeigt 1016 Hektopascal. Uns hält nichts. Um 11 Uhr werfen wir die Leinen los. Die Leinen? Sind das die Seile da...? Ich erkläre Festmacher, Fender, Fallen, Wanten, Schoten, Unterliekstrecker, Niederholer, Reffleinen, Dirk. Dann sind wir draußen. Seegang mit einer Einmeterwelle und leichter Nordwest bis 12 kn verpassen uns nach Süden einen Schaukelkurs. Etwas hart zum Eingewöhnen. Die angepassten Lifebelts kommen zum Einsatz. Die Crew gibt sich in Teilen spuckerisch. Trockenes Brot, Salzstangen, Cola. Doch wir schaffen die 32 Seemeilen bis in die Bucht Paltana südlich von Pula. Magenfreundlich umkurven wir die Brioni-Inseln östlich. Die Inseln halten den Seegang ab. Kurz nach 17 Uhr fällt unser Anker zwischen sechs anderen Yachten. Susi springt als erste ins Wasser. Vom östlichen Ufer grüßen viele neue bunte Reihenhäuser von Banjole. Im Norden beobachten wir eine kleine Werft, auf deren Slipbahn eine weiße Segelyacht mit frischgemaltem blauem Unterwasserschiff in ihr Element zurückkehrt. Die Kinder baden und probieren das Beiboot aus.

Nach Angelas Lammsteaks mit Kartoffeln bricht das Abenteuer los: Der Wind dreht, frischt gewaltig auf. Ehe ich die Position überprüfen kann, ist die Paloma unterwegs, der Anker ist aus dem Grund gedreht. Schon driften wir gefährlich schnell auf die Yacht zu, die genau hinter uns liegt. Blitzschnell werfe ich die Maschine an und kann die Paloma noch rechtzeitig abfangen. Wir fahren den Anker neu ein. Jetzt gehen bei ca. 5 m Wassertiefe 25 Meter Kette raus. Vorher waren es rund 15 m gewesen. Für diesen Ankergrund offenbar zu wenig. Nun wird Ankerwache geschoben. Die vier Erwachsenen teilen sich die acht Stunden bis zur Morgendämmerung. Der Wind legt sich wieder und das Schiff bleibt ortsfest auf N 44° 49' 164 E 013° 52' 082.

Montag, 20. Mai 2002 - Ein grauer Tag bricht an. Der Wetterbericht auf Kanal 83 verheißt NE bis NW 6 - 16 kn, einzelne Regenschauer. Idealer Wind für eine schnelle Überquerung der Kvarner Bucht zwischen Istrien und der kroatischen Inselwelt um Lošinj. Auf den Regen dürfen wir verzichten, er kommt nicht. Tatsächlich sind wir in knapp zwei Stunden drüben, wo der Wind unvermittelt aufgibt. Die Kinder malen, schlafen oder lesen abwechselnd. Susi fragt im Stundentakt, wann wir endlich da sind. Dann klart es auf, und bei 18 kn aus West rauschen wir nach Südosten weiter. Andreas nimmt fasziniert teil, assistiert am Ruder. Lars und Susi spielen Stadt, Land, Fluß. Keine Langeweile. Wir können die Inseln Susak und Silba, die als Pausestopps geplant waren, ohne Halt passieren und weiter nach Südosten vorstoßen. Nach 66,8 sm werfen wir in der kleinen Hafenbucht von Molat den Anker. Längst ist der Abend heraufgezogen. Drei andere Yachten liegen am Betonpier. Wir machen neben ihnen die Heckleinen am Pier fest. Angela bedient den Anker perfekt, aber die Winsch zeigt Aussetzer. Das sollte noch Probleme geben. Zum Dinner gibt es Risotto und Salat.

Dienstag, 21. Mai 2002 - Geplapper auf dem Kai weckt mich sehr früh. Kroatisch und deutsch. "Er sagt, hier kommt gleich die Fähre." Die Uhr zeigt 05:25. Eine deutsche Yacht und ein Holländer liegen noch im Fährbereich. Der Deutsche fackelt nicht lange: Er verläßt den Hafen sogleich. Der Niederländer verholt sich ins Innere der Bucht. Wir liegen richtig. Ich schlafe weiter. Wenig später bin ich wieder wach. Tiefes Brummen und sachter Wellenschlag weckt mich. Es ist 05:40. Durch die Luke schaue ich in einen dunklen Tunnel: der Raum zwischen den Rümpfen einer riesigen Katamaranfähre. Auf dem Kai steigen Menschen aus und ein. Ehe ich richtig wach bin, dröhnen die Maschinen schon wieder los, werden die Leinen eingezogen und das Ungetüm zieht sich rückwärts aus der kleinen Bucht.
Bald locken Sonnenschein und wolkenloser Himmel die Crew aus den Kojen. Noch beim Frühstück legt eines jener malerischen, hölzernen Ausflugsboote an mit zwei Masten und Segeln drauf, die niemals gesetzt werden. Der Klüverbaum ragt fast über unsere Paloma hinweg. Die Mannschaft lädt etwa zwei Dutzend Fahrräder aus und oben am Bug steht ein netter Mensch, der uns auf bayerisch nach dem Wohin und Woher befragt. Er selbst kommt aus Bad Aibling und führt eine Radlertruppe, die sich heute die Insel Molat erstrampeln will. Kaum ist die schwitzende Schar verschwunden, kommt ein beleibter Herr in Unterhemd und Hosenträgerhose herangeradelt. Rentner aus Düsseldorf sei er und verlebe mit seiner einheimischen Gattin hier die Sommermonate im eigenen Haus. Beschaulich und schön fände er es hier, würde am liebsten immer da bleiben, aber seine kroatische Frau hänge halt so an der Stadt in Deutschland. Wir überprüfen die Reize der Insel bei einem kleinen Spaziergang zum Dorf hinauf und verstehen den Mann. Die Lilien blühen, der gelbe Ginster, die Feigenbäume tragen erste Früchte, Zitronenbäume, an den Rebstöcken kommen die Trauben, es flirrt und summt der Sommer. Die Kinder baden unten in der Bucht in herrlich klarem Wasser.
Um 11 Uhr werfen wir die Leinen los, und wenden den Bug wieder nach Süden. Endlich stellt sich wieder Wind ein. Die 13 kn aus NW schieben uns flott nach Südosten. Eine kleine Wettfahrt mit zwei anderen Yachten durch den Sredni-Kanal fesselt auch die Kinder. Gegen 17 Uhr bergen wir die Segel. In einer Bucht bei Kantina fällt der Anker zu einem Badestopp. Andreas schwimmt sogleich an Land und erklimmt den Hügel, hinter dem sich die Telascica-Bucht auftut. Nach der Tea-Time setzen wir unseren Weg fort. Gegen 20 Uhr fällt der Anker am SE-Zipfel von Žut, zwischen Žut und Žutska Aba. Eine zweite Yacht übernachtet dort. Ein formidabler Platz. Die Position: N 43° 49' 484 E 15° 22' 011. Christel kocht zum Dinner Penne und Angela steuert Tomatensauce bei. Köstlich. Susi hat sich zur Prinzessin gekürt und Lars zum Prinzen ernannt. Fortan fungieren wir als Hofstaat. Aber es wird eine ruhige Nacht vor Anker.

Mittwoch, 22. Mai 2002 - Nun greife ich zur Pfanne: Ham and Eggs sind mein Frühstückstraum und ich will ihn leben. Die Sonne scheint und 6,5 kn Wind können den Duft gebratenen Schinkens kaum vertreiben. Radio Split meldet schönstes Wetter: No Warnings, S - SE 8 - 18 kn. Die Wolken erzählen mir mehr: Es wird Jugo geben. Starken Südwind und anschließend Sauwetter wie immer bei Jugo. Also schnell noch nach Südosten so weit es eben geht. Auf magenfreundlichem Kurs, das heißt immer möglichst im Seegangsschatten der vorgelagerten Inseln pirschen wir uns an Primošten heran. Die Crew ist immer noch ein wenig spuckerisch veranlagt. Aber die Laune ist gut. Die Kinder spielen Kniffel und Schach. Der Kirchturm von Primosten auf der fast kreisrunden Halbinsel wird immer größer. Um 16 Uhr sind wir hinter der Südmole fest: Buganker und Heckleine. Andreas packt beim Anlegemanöver hilfreich mit an. Der Hafen ist voll. Ein kleiner Zweimaster, eine Ketsch namens Ingrid 2 liegt steuerbord von uns. Thomas Wagner mit Familie aus Otterloh, einem Ortsteil von Sauerlach, keine 10 km von unserm Zuhause entfernt. Dann dreht irgendjemand gewaltig an der Windschraube. Als der Luftstrom 25 kn überschreitet, rate ich unserem Nachbarn zu einer zweiten Mooring. Das sind starke Trossen, die im Hafenbecken verankert sind und die Schiffe vom Land fernhalten. Im Windschatten des hohen Motorseglers liegen wir recht gemütlich. Auf dem Markt in der kleinen malerischen Stadt ergänzen wir unsere Frischvorräte, bunkern Trinkwasser aus dem Hahn auf dem Kai und kehren bei Staro Selo ein. Ein reichliches Dinner für 85,- Euro lässt unsere Küche kalt. Die Kinder futtern Pommes und Schnitzel. Danach toben sie am kleinen Strand und können schon allein an Bord zurück gehen. Für die Großen klingt dort der Abend bei einem Fläschen roten Peljesac Jahrgang 2000 trefflich aus, auch wenn der Wind in den Wanten heult.

Donnerstag, 23. Mai 2002 - Es weht aus Südost mit 16 bis 28 Knoten! Wie sollen wir da Weg nach Süden machen? Bei 7 Beaufort verbietet es sich auszulaufen. Susi freundet sich mit dem rothaarigen Knirps aus Dachau an, dessen Eltern auf einer Bavaria 34 den starken Wind abwettern. Der erreicht mittlerweile 38 kn. Spaziergänge und Skatspielen. Ein echter Urlaubstag. Das Dinner wird sehr heimatlich: es gibt Bratwürstl mit Sauerkraut. Aber des nachts wird es unheimlich: ein böses schwarzes Untier kommt geflogen, durch die Luke genau in die Bubenkabine im Vorschiff. Lars wird zweimal gestochen. Als Christel eingreift, um das Drama in dem Decken- und Kleiderwust zu beenden, kriegt auch sie einen Stich ab. War wohl keine Biene. Die stechen nur einmal. Von da an räumen die Buben ihre Kabine immer säuberlich auf, von wegen der Übersichtlichkeit...

 

   

 

Komm mit in die Karibik,
wo das Abenteuer lebt


Seereise Martinique - Ronde Island/Grenada und zurück vom 22. März bis 6. April 2002

  • Wo ist das Schiff?
  • Der stinkende Vulkan.
  • Der Pate in Lambis Bar.
  • "Insel betreten verboten"
  • Beißendes Wasser.
  • Das Frühstück von Bequia.
  • Die Geister-Bucht und viele andere Erlebnisse.

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Von Arthur M. Neufeldt

Freitag 22.03.02 - Es hätte klappen können. Aber der Fahrer des Air-France-Transferbusses zwischen den Pariser Flughäfen Charles-de-Gaulle und Orly hat an diesem Freitagmittag seine eigene Vorstellung von Pünktlichkeit. Geli und Alfred, Eva und Volker, Angie und ich müssen also den nächsten Flug nach Martinique nehmen. Fünf Stunden später als geplant werden wir dort ankommen. Dann befindet sich die Vorgängercrew der Antares längst auf dem Heimflug. Keine Schiffsübergabe. Keine Hinweise auf Mängel und technische Tücken der Yacht, wie sie sich nach wochenlanger Fahrt immer mal einstellen können. Gleichmut war angesagt, um die Vorfreude auf das Eintauchen in die Welt der Karibik zu schonen. Ein Essensgutschein der Airline und ein paar begleitende Biere unterstützten die Therapie. So düsen wir also verspätet mit ca. 890 Sachen über den Atlantik. Trotzdem ziehen sich die neun Stunden ganz ordentlich auf den engen Sitzen.

Endlich. Das Glitzern dort unten verheißt die Erlösung. Die Lichter von Fort de France, der Hauptstadt von Martinique. Um 22:20 Uhr Ortszeit schlägt uns tropische Hitze entgegen. Noch mal eine Passkontrolle obgleich Martinique als französisches Überseedepartement zumindest wirtschaftlich und politisch europäischer Boden ist. Könnte ja über dem Atlantik jemand zugestiegen sein. 50 Euro möchte der schwarze Taxifahrer für die paar Kilometer zum Hafen, und er kennt den schwachen Widerstand der übermüdeten Ankömmlinge, die wie automatisch ihre Taschen in seinem Toyota-Bus verstauen. Da summt das Mobiltelefon. SMS des Vorgänger-Skippers: Meldung über Verspätung erhalten, Yachtschlüssel bei McDonald gegenüber des Liegeplatzes. Und dann klingelt es noch mal: Der Skipper selbst: Hallo Leute, unser Flug ist gestrichen, wir warten am Flughafen auf den nächsten. Viele Grüße von der Air France. Antares wie abgesprochen am Steg vor McDonalds.

Tatsächlich: da draußen in der Nacht schwankt eine Segelyacht in der Dünung, hinter einem mannshohen Bauzaun, der einen unfertigen Betonsteg absperrt. Von der anderen Straßenseite leuchtet grelles Neonlicht unter dem goldenen M herüber. Die hübsche Kleine mit dem grünen McDonalds-Käppi rollt hinter dem Tresen des Schnellrestaurants die Augen im schwarzen Gesicht: "Oh oui, votre nom est?" "Neufeldt" "Okay, I have the key! Une minute." Sprachgemisch. Es herrscht Hochbetrieb im klimatisierten Fastfoodladen. Bezaubernde schwarze Gesichter lachen verschmitzt. Draußen haben Alfred und Volker bereits das Gepäck über den Bauzaun gewuchtet. Schweißtreibende Nachtarbeit. Müde fallen wir in die Kojen. Aber die Nacht ist unruhig. Die in Luv mit zwei Vor- und zwei Heckleinen festgemachte Antares, eine ziemlich neue Bavaria 42 wird immer wieder gegen die Fender geworfen. Kein Wunder, dass im Logbuch zwei zerstörte "Pfänder" vermerkt sind.

Samstag 23.03.02 - Die erste Aktion am Morgen: Motorkontrolle vor dem ersten Anlassen, um die Antares nach Lee zu verlegen. Es fehlt Öl. Ich kippe einen halben Liter rein bis "max" erreicht ist. Eindampfen in die Vorspring, um erst mal wegzukommen und dann rum um den Steg. Mit Achterspring, Vor- und Heckleine wird sie sicher vertäut. Nun wird eingekauft. Zwei Wagen voll schleppen wir vom nahen Supermarkt herüber: Trinkwasser, Bier, Wein, Grundnahrungsmittel. Kaum teurer als zuhause, bezahlt wird in Euro. Wir richten uns ein, säubern die Küche, räumen den Knoblauch in Salzwasser aus dem Schrank und legen die Bilgenräume trocken.

Am frühen Nachmittag geht's los. Es weht ein böiger Ostwind unter einem blauen leicht bewölkten Himmel. Die See ist ruhig, nur das Atmen des Atlantiks wiegt uns hier in der Baie de Fort de France. Wir segeln mit wenig Tuch die paar Meilen nach Süden in die Petit Anse d'Arlet. Antares kommt ordentlich in Fahrt. Wir drehen in der Bucht die Segel wieder weg und ich weise Volker in den Gebrauch des Ankers ein. Der fällt auf 3 m Tiefe, ich fahre ihn ein, der hält. Beim ersten Bad schwimm ich um das Schiff. Am Bug durchfährt mich ein Schauer: Zwei Daumennagel große Gelcoatschäden an der Backbordseite des Vorstevens bis auf das Gewebe durch! Wie ist das möglich? Sind es die Schäden, die der Vorskipper im Logbuch vermerkt hat? Stammen sie von uns? Volker schwört, dass der Anker den Rumpf nicht berührt hat. Es tut weh, ein beschädigtes Schiff zu sehen. Bei näherem Hinsehen stelle ich fest, dass der ganze Vorstevenbereich verschrammt ist. Da hat es zahlreiche Ankerberührungen und ähnliches gegeben. Die Crew beruhigt mich: Die Schäden können nicht von uns stammen. Ich setze eine SMS an den Eigner ab mit der Frage nach Kitt und Härter. Wir erholen uns von den Reisestrapazen, speisen gemütlich und bereiten uns seelisch auf den Sprung nach St. Lucia vor.

Sonntag 24.03.02 - Ein rauer aber herzlicher Empfang. Bis 27 kn Wind und gut drei Meter hohe Seen geben uns nach der Passage des Rock du Diamant im Süden Martiniques einen Geschmack von ernsthafter Seefahrt. Mit einem Drittel der möglichen Segelfläche braust die Antares durch die weiten Wogen. Halber Wind. Klasse. Es gibt keine Log-Anzeige aber 7 kn Fahrt waren das mindestens, auch nach der berechneten Zeit. Um 14.30 Uhr liegen wir in der Rodney Bay vor Anker. Das Einklarieren läuft ohne Problem ab. Der achterliche Frischwassertank ist bereits leer. Um 18:20 Uhr ist es finster. Mit dem Beiboot fahren Angie, Volker und ich in der Dunkelheit hinaus zum Strand und genießen die sanfte Brandung am breiten Sandstrand. Nach dem Abendessen besucht die ganze Crew die Bar der Marina und macht mit Karibik-Drinks Bekanntschaft. Schwarze Schönheiten tragen rund um den kleinen türkisfarbenen Pool eine Modenschau vor. Flair einer fremden bunten Welt.

Montag 25.03.02 - Am nächsten Morgen machen wir am Steg fest und bunkern Frischwasser. Die Preise für Getränke und Nahrungsmittel lassen uns erschauern. Eine Däne liegt uns gegenüber. Das Boot geht in den nächsten Tagen auf Heimreise nach Europa. Das Boot neben uns, das unsere Luvtrosse hält, ein wunderbar gepflegter Segler aus Holz von gut 50 Fuß mit Neuseeländischer Flagge. Wir legen ab. Noch innerhalb der Rodney Bay setzen wir 2/3 des Groß. Es ist leicht bewölkt, die See im Schatten von St. Lucia ruhig bei einem stetigen Nordost von ca. 15 kn.

Da uns noch etwas Gemüse fehlt...

 
   

 

 

In der Bora dem Winter trotzen
und ab und zu ein Netz in der Schraube

Adria: Neue Attraktion in Istrien - Im November über die Kvarner Bucht. (Textprobe. Gesatmlänge: 18602 Zeichen. Bilder bitte anfordern.)

Von Arthur M. Neufeldt

"Ab jetzt wird's schlecht", sagt der Direktor und hebt bedauernd die Schultern. Veljko Jelovac sollte es wissen. Immerhin bekleidet er das Amt eines Stadtdirektors und Chefs der neuen Marina. Der hoch-gewachsene Mittfünfziger mit dem schmuckem weißmeliertem Bart-kranz passt gut in die Szenerie auf dem Schwimmsteg zwischen den leise schwankenden Segelyachten und den schnittigen Motorbooten. Er sieht mit krauser Stirn in den trüben Himmel. Es nieselt aus tiefen Wolken. Der neue Kampanile der St. Martinskirche drüben über den uralten Dächern von Vrsar ragt in das Grau.

Was Jelovac meint, heißt nichts anderes als dies: Die Saison ist gelaufen. Der Direktor zeigt sich gelassen. Er kennt die Zahlen. Der Sommer 2001 war gut und der nächste wird noch besser. "Wir haben viel zu bieten und der Komfort nimmt zu", sagt der selbstbewusste Kroate, greift nach seiner Segelta-sche und schlendert mit uns auf das nagelneue Marinagebäude zu. Sonnenhitze, blaues Meer und die Romantik eines pittoresken Küsten-städtchens, das sind die "Produkte", die Jelovac bisher zu verkaufen hatte. Zigtausende Urlauber aus Österreich, Deutschland und Italien sind ganz wild darauf. Und nicht nur der Direktor, sondern fast alle an der istrischen Küste leben irgendwie davon. Aber jetzt im Winter? Jelovac lächelt wie einer, der einen Joker im Ärmel hat.

Oberflächlich betrachtet ist es wie überall: die typischen Touristen-Restaurants drüben an der Obala Maršala Tita, an der alten Hafenpromenade sind geschlossen. Das malerische Vrsar, dessen Altstadt auf einem Hügel am Ende der Bucht liegt, hätte nun Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen. Doch in dem guten Dutzend Konobas, Bars und Cafés im Ort selbst trifft man jetzt auf zwei Arten Gäste: Einheimische und Bootsleute. Wo früher im November und Dezember ein paar Fischer vor ihrem Bier hockten, palavern jetzt immer mal wieder kleine und größere Runden in deutsch, oft mit dem typischen Akzent der vorvergangenen Beherrscher des Landes. Denn der seefahrerische Teil der Nation zwischen Boden- und Neusiedler See hat hier in Vrsar einen neuen Stützpunkt an der Küste der Adria bekommen. In einer nautischen Freizeitallianz mit Bayern und Württembergern wird dieser Posten auch im Winter gehalten. Es ist Jelovacs saisonverlängernder Joker: Der Ausbau der natürlichen Hafenbucht zu Füßen Vrsars zur leistungsfähigen Sportbootmarina beginnt sich auszuzahlen.

Früher von den Seglern eher gemieden wegen der vielen Inseln und Klippen vor der Einfahrt, der Untiefen an den alten Anlegern und des Seegangs, der von Westen her ein relativ großes Eingangstor fand, wird die auch kulturhistorisch interessante Stadt jetzt gern angelaufen. Ein neues Leuchtfeuer sichert die Zufahrt auch bei Nacht und ein 165 Meter langer Wellenbrecher schafft Ruhe in der Bucht. In seinem Schutz bieten fünf Schwimmstege Platz für rund 250 Yachten. Die Liegeplätze sind ausgebucht, bis auf jene, die für Übernachtungsgäste frei bleiben. Nur ein paar Schritte von den Steganlagen entfernt steht eine Hauptsehenswürdigkeiten des Ortes: Die 1600 Jahre alte Basilika der Heiligen Maria. Sie gehört zu den ältesten christlichen Gebäuden in Istrien. Die Crews finden im strahlend weißen Hauptgebäude des Sportboothafens neben der großen Rezeption eine Café-Bar und die in weiß und hell-blau gehaltenen Sanitäranlagen. In den ersten Stock führt eine breite Außentreppe in das mit Ocker und Holz auf alt und gemütlich getrimmte Restaurant mit großer Terrasse. Alles blitzt und blinkt neu und sauber. Rund sechzig Arbeitsplätze entstanden allein unter diesem Dach. Da kann die Saison gar nicht lang genug sein. Aber der Direktor und seine Stadt können auf Partner setzen, die sie nicht enttäuschen: Die Adria und ihre Bora.

Schon hat sich eine Charterflotte an den neuen Stegen niedergelassen. Die zehn stolzen Yachten tragen ihren Teil zum wuchernden Mastenwald bei, der in den diesigen Himmel dieses Wintertages ragt. Eigentümer der Flotte ist ein Unternehmer aus dem bayerischen Kaufbeuren. Seine Motivation, die Basis aus der etwas monströs geratenen Marina der 40 km nördlich gelegenen Stadt Umag nach Vrsar zu verlegen, beschreibt der Allgäuer so: "Is kuscheliger hier. Wenn i da rei komm, werd i freundlich begrüßt, weil die Leut wissen, dass i Gäscht bring". Die Gäste, seine Charterkunden, haben zwar nun eine etwas längere Anreise. Passionierte Hobbynautiker etwa aus München nehmen für ein paar Tage Segeln aber schon mal 5 bis 6 Stunden Autofahrt in Kauf. Da spielen die 40 Minuten keine entscheidende Rolle. Um das gute Verhältnis zu unterstreichen, hat der Charterunternehmer Wolfgang Stecher den begeisterten Segler Veljko Jelovac und seinen Stab auf sein Flaggschiff geladen, die "Eve Mary", eine 16 Meter lange Bavaria 50. Mit treuen Kunden und Freunden besetzt nahmen weitere sieben Schiffe der Flotte an dem Törn über ein verlängertes Wochenende teil. Während zuhause schon die ersten Schneeschaufeln zum Einsatz kamen, zogen die Schiffe über ein kaum bewegtes und immer noch 18 Grad warmes Meer dahin...

     
   

 

Neues Tor zum Mittelmeer: Modernste Marina der Adria

 





 

 

Von Arthur M. Neufeldt

Für Freizeitkapitäne aus dem südlichen Mitteleuropa tut sich ein weiteres Tor zum Mittelmeer auf. Der neue Sportboothafen Porto San Rocco mit seinen 514 Wasserplätzen für Schiffe bis 60 Meter Länge liegt scheinbar an einem genialen Ort: In der direkten Nachbarschaft zur Großstadt Triest mit ihren Überseehäfen und einem lückenlosen maritimen Umfeld. Von München sind es im Auto keine fünf Stunden nach Triest, mit dem Flieger dauert die Reise kaum zwei Stunden. Der hochmoderne Sportboothafen zählt sicher zu den innovativsten an der nördlichen Adria. Elektronisch geregelter Wasser-, Strom- und TV-Anschluß auf allen Stegen, großzügiger Manövrierraum und ausreichende Wassertiefe von mindestens 8 m.

Allerdings liegen die hübsch sandfarben und ocker verkleideten breiten Betonstege der Marina San Rocco auch im Einfallstor der Bora. Obgleich das Hafenpersonal stets ein Auge drauf hat, tun Eigner gut daran, ihre Boote über den Winter sturmsicher zu vertäuen und vor allem das laufende Gut zu sichern, um im Frühjahr nicht durchschamfilte Travellerschlitten oder andere Schäden vorzufinden. Der Autor hat Leute erlebt, die dort auf einer 18-m-Jongert im Hafen liegend bei Böen über 50 Knoten seekrank wurden. Zur Marina gehört die, knapp eine Meile nördlich gelegene, Werft. Ausgestattet mit einem 100 t-Kran, einem 22 t-Mobilkran, einem 60 t-Hydraulik-Trailer, einem 10 t-Brückenkran, reichlich Stellfläche und Werkstätten dürfte sie für alle Fälle gerüstet sein.


Die Marina selbst ist in einen komfortablen Touristik- und Wohnkomplex mit Hotel, Restaurants, Läden großen Außen- und Innenpools, Fitnesscenter und bisher 205 Appartements integriert. Die vielfältige Zergliederung und Farbgebung der gesamten Hafensiedlung zeigt das Bemühen ihres Architekten, dieses riesige Projekt in die malerische Umgebung von Muggia und San Rocco einzupassen. Luigi Viette, der schon in Porto Cervo auf Sardinien tätig war, hat sichtlich versucht, den Wohn- und Lebensstil an der italienischen Adriaküste nachzuempfinden. Die Wohnungen haben verschieden Größen, sind alle sommer- und wintertauglich und bieten von ihren Terrassen hübsche Ausblicke über die Marina hinweg. Das Auto kann in einer der Tiefgaragen bleiben, die 507 Stellplätze umfassen: Die Hafenanlage ist eine einzige Fußgängerzone. In zehn Minuten erreicht man von dort ebenfalls zu Fuß den pittoresken Hafenort Muggia mit guten Restaurants und allen erforderlichen Geschäften.